{"id":1094,"date":"2018-10-31T15:02:22","date_gmt":"2018-10-31T13:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/anjacohen.nl\/?page_id=1094"},"modified":"2018-10-31T15:02:50","modified_gmt":"2018-10-31T13:02:50","slug":"winterreise-tekst-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/anjacohen.nl\/nl_nl\/winterreise-tekst-2\/","title":{"rendered":"Winterreise – tekst."},"content":{"rendered":"

\u00a0<\/strong><\/p>\n

Winterreise<\/h2>\n

Wilhelm M\u00fcller<\/h3>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

1 – Gute Nacht<\/strong><\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

Fremd bin ich eingezogen,
\nFremd zieh’ ich wieder aus.
\nDer Mai war mir gewogen
\nMit manchem Blumenstrau\u00df.
\nDas M\u00e4dchen sprach von Liebe,
\nDie Mutter gar von Eh’, –
\nNun ist die Welt so tr\u00fcbe,
\nDer Weg geh\u00fcllt in Schnee.<\/p>\n

Ich kann zu meiner Reisen
\nNicht w\u00e4hlen mit der Zeit,
\nMu\u00df selbst den Weg mir weisen
\nIn dieser Dunkelheit.
\nEs zieht ein Mondenschatten
\nAls mein Gef\u00e4hrte mit,
\nUnd auf den wei\u00dfen Matten
\nSuch’ ich des Wildes Tritt.<\/p>\n

Was soll ich l\u00e4nger weilen,
\nDa\u00df man mich trieb hinaus ?
\nLa\u00df irre Hunde heulen
\nVor ihres Herren Haus;
\nDie Liebe liebt das Wandern –
\nGott hat sie so gemacht –
\nVon einem zu dem andern.
\nFein Liebchen, gute Nacht !<\/p>\n

Will dich im Traum nicht st\u00f6ren,
\nW\u00e4r schad’ um deine Ruh’.
\nSollst meinen Tritt nicht h\u00f6ren –
\nSacht, sacht die T\u00fcre zu !
\nSchreib im Vor\u00fcbergehen
\nAns Tor dir: Gute Nacht,
\nDamit du m\u00f6gest sehen,
\nAn dich hab’ ich gedacht.<\/p>\n

 <\/p>\n

2- Die Wetterfahne<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Der Wind spielt mit der Wetterfahne
\nAuf meines sch\u00f6nen Liebchens Haus.
\nDa dacht’ ich schon in meinem Wahne,
\nSie pfiff den armen Fl\u00fcchtling aus.<\/p>\n

Er h\u00e4tt’ es eher bemerken sollen,
\nDes Hauses aufgestecktes Schild,
\nSo h\u00e4tt’ er nimmer suchen wollen
\nIm Haus ein treues Frauenbild.<\/p>\n

Der Wind spielt drinnen mit den Herzen
\nWie auf dem Dach, nur nicht so laut.
\nWas fragen sie nach meinen Schmerzen ?
\nIhr Kind ist eine reiche Braut.<\/p>\n

 <\/p>\n

3 – Gefror’ne Tr\u00e4nen<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Gefrorne Tropfen fallen
\nVon meinen Wangen ab:
\nOb es mir denn entgangen,
\nDa\u00df ich geweinet hab’ ?<\/p>\n

Ei Tr\u00e4nen, meine Tr\u00e4nen,
\nUnd seid ihr gar so lau,
\nDa\u00df ihr erstarrt zu Eise
\nWie k\u00fchler Morgentau ?<\/p>\n

Und dringt doch aus der Quelle
\nDer Brust so gl\u00fchend hei\u00df,
\nAls wolltet ihr zerschmelzen
\nDes ganzen Winters Eis !<\/p>\n

 <\/p>\n

4 – Erstarrung<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Ich such’ im Schnee vergebens
\nNach ihrer Tritte Spur,
\nWo sie an meinem Arme
\nDurchstrich die gr\u00fcne Flur.<\/p>\n

Ich will den Boden k\u00fcssen,
\nDurchdringen Eis und Schnee
\nMit meinen hei\u00dfen Tr\u00e4nen,
\nBis ich die Erde seh’.<\/p>\n

Wo find’ ich eine Bl\u00fcte,
\nWo find’ ich gr\u00fcnes Gras ?
\nDie Blumen sind erstorben,
\nDer Rasen sieht so bla\u00df.<\/p>\n

Soll denn kein Angedenken
\nIch nehmen mit von hier ?
\nWenn meine Schmerzen schweigen,
\nWer sagt mir dann von ihr ?<\/p>\n

Mein Herz ist wie erstorben,
\nKalt starrt ihr Bild darin;
\nSchmilzt je das Herz mir wieder,
\nFlie\u00dft auch ihr Bild dahin !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

5 – Der Lindenbaum<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Am Brunnen vor dem Tore
\nDa steht ein Lindenbaum;
\nIch tr\u00e4umt’ in seinem Schatten
\nSo manchen s\u00fc\u00dfen Traum.<\/p>\n

Ich schnitt in seine Rinde
\nSo manches liebe Wort;
\nEs zog in Freud’ und Leide
\nZu ihm mich immer fort.<\/p>\n

Ich mu\u00dft’ auch heute wandern
\nVorbei in tiefer Nacht,
\nDa hab’ ich noch im Dunkeln
\nDie Augen zugemacht.<\/p>\n

Und seine Zweige rauschten,
\nAls riefen sie mir zu:
\nKomm her zu mir, Geselle,
\nHier find’st du deine Ruh’ !<\/p>\n

Die kalten Winde bliesen
\nMir grad’ ins Angesicht;
\nDer Hut flog mir vom Kopfe,
\nIch wendete mich nicht.<\/p>\n

Nun bin ich manche Stunde
\nEntfernt von jenem Ort,
\nUnd immer h\u00f6r’ ich’s rauschen:
\nDu f\u00e4ndest Ruhe dort !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

6 – Wasserflut<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Manche Tr\u00e4n’ aus meinen Augen
\nIst gefallen in den Schnee;
\nSeine kalten Flocken saugen
\nDurstig ein das hei\u00dfe Weh.<\/p>\n

Wenn die Gr\u00e4ser sprossen wollen
\nWeht daher ein lauer Wind,
\nUnd das Eis zerspringt in Schollen
\nUnd der weiche Schnee zerrinnt.<\/p>\n

Schnee, du wei\u00dft von meinem Sehnen,
\nSag’, wohin doch geht dein Lauf ?
\nFolge nach nur meinen Tr\u00e4nen,
\nNimmt dich bald das B\u00e4chlein auf.<\/p>\n

Wirst mit ihm die Stadt durchziehen,
\nMuntre Stra\u00dfen ein und aus;
\nF\u00fchlst du meine Tr\u00e4nen gl\u00fchen,
\nDa ist meiner Liebsten Haus.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

7 – Auf dem Flu\u00dfe<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Der du so lustig rauschtest,
\nDu heller, wilder Flu\u00df,
\nWie still bist du geworden,
\nGibst keinen Scheidegru\u00df.<\/p>\n

Mit harter, starrer Rinde
\nHast du dich \u00fcberdeckt,
\nLiegst kalt und unbeweglich
\nIm Sande ausgestreckt.<\/p>\n

In deine Decke grab’ ich
\nMit einem spitzen Stein
\nDen Namen meiner Liebsten
\nUnd Stund’ und Tag hinein:<\/p>\n

Den Tag des ersten Gru\u00dfes,
\nDen Tag, an dem ich ging;
\nUm Nam’ und Zahlen windet
\nSich ein zerbroch’ner Ring.<\/p>\n

Mein Herz, in diesem Bache
\nErkennst du nun dein Bild ?
\nOb’s unter seiner Rinde
\nWohl auch so rei\u00dfend schwillt ?<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

8 – R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Es brennt mir unter beiden Sohlen,
\nTret’ ich auch schon auf Eis und Schnee,
\nIch m\u00f6cht’ nicht wieder Atem holen,
\nBis ich nicht mehr die T\u00fcrme seh’.<\/p>\n

Hab’ mich an jedem Stein gesto\u00dfen,
\nSo eilt’ ich zu der Stadt hinaus;
\nDie Kr\u00e4hen warfen B\u00e4ll’ und Schlo\u00dfen
\nAuf meinen Hut von jedem Haus.<\/p>\n

Wie anders hast du mich empfangen,
\nDu Stadt der Unbest\u00e4ndigkeit !
\nAn deinen blanken Fenstern sangen
\nDie Lerch’ und Nachtigall im Streit.<\/p>\n

Die runden Lindenb\u00e4ume bl\u00fchten,
\nDie klaren Rinnen rauschten hell,
\nUnd ach, zwei M\u00e4dchenaugen gl\u00fchten.
\nDa war’s gescheh’n um dich, Gesell !<\/p>\n

Kommt mir der Tag in die gedanken,
\nM\u00f6cht’ ich noch einmal r\u00fcckw\u00e4rts seh’n.
\nM\u00f6cht’ ich zur\u00fccke wieder wanken,
\nVor ihrem Hause stille steh’n.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

9 – Irrlicht<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

In die tiefsten Felsengr\u00fcnde
\nLockte mich ein Irrlicht hin;
\nWie ich einen Ausgang finde,
\nLiegt nicht schwer mir in dem Sinn.<\/p>\n

Bin gewohnt das Irregehen,
\n’s f\u00fchrt ja jeder Weg zum Ziel;
\nUns’re Freuden, uns’re Wehen,
\nAlles eines Irrlichts Spiel !<\/p>\n

Durch des Bergstroms trockne Rinnen
\nWind’ ich ruhig mich hinab,
\nJeder Strom wird’s Meer gewinnen,
\nJedes Leiden auch sein Grab.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

10 – Rast<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Nun merk’ ich erst wie m\u00fcd’ ich bin,
\nDa ich zur Ruh’ mich lege;
\nDas Wandern hielt mich munter hin
\nAuf unwirtbarem Wege.<\/p>\n

Die F\u00fc\u00dfe frugen nicht nach Rast,
\nEs war zu kalt zum Stehen;
\nDer R\u00fccken f\u00fchlte keine Last,
\nDer Sturm half fort mich wehen.<\/p>\n

In eines K\u00f6hlers engem Haus
\nHab’ Obdach ich gefunden.
\nDoch meine Glieder ruh’n nicht aus:
\nSo brennen ihre Wunden.<\/p>\n

Auch du, mein Herz, in Kampf und Sturm
\nSo wild und so verwegen,
\nF\u00fchlst in der Still’ erst deinen Wurm
\nMit hei\u00dfem Stich sich regen !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

11 – Fr\u00fchlingstraum<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Ich tr\u00e4umte von bunten Blumen,
\nSo wie sie wohl bl\u00fchen im Mai;
\nIch tr\u00e4umte von gr\u00fcnen Wiesen,
\nVon lustigem Vogelgeschrei.<\/p>\n

Und als die H\u00e4hne kr\u00e4hten,
\nDa ward mein Auge wach;
\nDa war es kalt und finster,
\nEs schrien die Raben vom Dach.<\/p>\n

Doch an den Fensterscheiben,
\nWer malte die Bl\u00e4tter da ?
\nIhr lacht wohl \u00fcber den Tr\u00e4umer,
\nDer Blumen im Winter sah ?<\/p>\n

Ich tr\u00e4umte von Lieb um Liebe,
\nVon einer sch\u00f6nen Maid,
\nVon Herzen und von K\u00fcssen,
\nVon Wonne und Seligkeit.<\/p>\n

Und als die H\u00e4hne kr\u00e4hten,
\nDa ward mein Herze wach;
\nNun sitz’ ich hier alleine
\nUnd denke dem Traume nach.<\/p>\n

Die Augen schlie\u00df’ ich wieder,
\nNoch schl\u00e4gt das herz so warm.
\nWann gr\u00fcnt ihr Bl\u00e4tter am Fenster ?
\nWann halt’ ich mein Liebchen im Arm ?<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

12 – Einsamkeit<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Wie eine tr\u00fcbe Wolke
\nDurch heit’re L\u00fcfte geht,
\nWenn in der Tanne Wipfel
\nEin mattes L\u00fcftchen weht:<\/p>\n

So zieh ich meine Stra\u00dfe
\nDahin mit tr\u00e4gem Fu\u00df,
\nDurch helles, frohes Leben
\nEinsam und ohne Gru\u00df.<\/p>\n

Ach, da\u00df die Luft so ruhig !
\nAch, da\u00df die Welt so licht !
\nAls noch die St\u00fcrme tobten,
\nWar ich so elend nicht.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

13 – Die Post<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Von der Stra\u00dfe her ein Posthorn klingt.
\nWas hat es, da\u00df es so hoch aufspringt,
\nMein Herz ?<\/p>\n

Die Post bringt keinen Brief f\u00fcr dich.
\nWas dr\u00e4ngst du denn so wunderlich,
\nMein Herz ?<\/p>\n

Nun ja, die Post kommt aus der Stadt,
\nWo ich ein liebes Liebchen hat,
\nMein Herz !<\/p>\n

Willst wohl einmal hin\u00fcberseh’n
\nUnd fragen, wie es dort mag geh’n,
\nMein Herz ?<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

14 – Der greise Kopf<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Der Reif hatt’ einen wei\u00dfen Schein
\nMir \u00fcbers Haar gestreuet;
\nDa glaubt’ ich schon ein Greis zu sein
\nUnd hab’ mich sehr gefreuet.<\/p>\n

Doch bald ist er hinweggetaut,
\nHab’ wieder schwarze Haare,
\nDa\u00df mir’s vor meiner Jugend graut –
\nWie weit noch bis zur Bahre !<\/p>\n

Vom Abendrot zum Morgenlicht
\nWard mancher Kopf zum Greise.
\nWer glaubt’s ? und meiner ward es nicht
\nAuf dieser ganzen Reise !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

15 – Die Kr\u00e4he<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Eine Kr\u00e4he war mit mir
\nAus der Stadt gezogen,
\nIst bis heute f\u00fcr und f\u00fcr
\nUm mein Haupt geflogen.<\/p>\n

Kr\u00e4he, wunderliches Tier,
\nWillst mich nicht verlassen ?
\nMeinst wohl, bald als Beute hier
\nMeinen Leib zu fassen ?<\/p>\n

Nun, es wird nicht weit mehr geh’n
\nAn dem Wanderstabe.
\nKr\u00e4he, la\u00df mich endlich seh’n
\nTreue bis zum Grabe !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

16 – Letzte Hoffnung<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Hier und da ist an den B\u00e4umen
\nManches bunte Blatt zu seh’n,
\nUnd ich bleibe vor den B\u00e4umen
\nOftmals in Gedanken steh’n.<\/p>\n

Schaue nach dem einen Blatte,
\nH\u00e4nge meine Hoffnung dran;
\nSpielt der Wind mit meinem Blatte,
\nZittr’ ich, was ich zittern kann.<\/p>\n

Ach, und f\u00e4llt das Blatt zu Boden,
\nF\u00e4llt mit ihm die Hoffnung ab;
\nFall’ ich selber mit zu Boden,
\nWein’ auf meiner Hoffnung Grab.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

17 – Im Dorfe<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten;
\nEs schlafen die Menschen in ihren Betten,
\nTr\u00e4umen sich manches, was sie nicht haben,
\nTun sich im Guten und Argen erlaben;<\/p>\n

Und morgen fr\u00fch ist alles zerflossen.
\nJe nun, sie haben ihr Teil genossen
\nUnd hoffen, was sie noch \u00fcbrig lie\u00dfen,
\nDoch wieder zu finden auf ihren Kissen.<\/p>\n

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
\nLa\u00dft mich nicht ruh’n in der Schlummerstunde !
\nIch bin zu Ende mit allen Tr\u00e4umen.
\nWas will ich unter den Schl\u00e4fern s\u00e4umen ?<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

18 – Der st\u00fcrmische Morgen<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Wie hat der Sturm zerrissen
\nDes Himmels graues Kleid !
\nDie Wolkenfetzen flattern
\nUmher im matten Streit.<\/p>\n

Und rote Feuerflammen
\nZieh’n zwischen ihnen hin;
\nDas nenn’ ich einen Morgen
\nSo recht nach meinem Sinn !<\/p>\n

Mein Herz sieht an dem Himmel
\nGemalt sein eig’nes Bild –
\nEs ist nichts als der Winter,
\nDer Winter kalt und wild !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

19 – T\u00e4uschung<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Ein Licht tanzt freundlich vor mir her,
\nIch folg’ ihm nach die Kreuz und Quer;
\nIch folg’ ihm gern und seh’s ihm an,
\nDa\u00df es verlockt den Wandersmann.<\/p>\n

Ach ! wer wie ich so elend ist,
\nGibt gern sich hin der bunten List,
\nDie hinter Eis und Nacht und Graus,
\nIhm weist ein helles, warmes Haus.<\/p>\n

Und eine liebe Seele drin. –
\nNur T\u00e4uschung ist f\u00fcr mich Gewinn !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

20 – Der Wegweiser<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Was vermeid’ ich denn die Wege,
\nWo die ander’n Wand’rer geh’n,
\nSuche mir versteckte Stege,
\nDurch verschneite Felsenh\u00f6h’n ?<\/p>\n

Habe ja doch nichts begangen,
\nDa\u00df ich Menschen sollte scheu’n, –
\nWelch ein t\u00f6richtes Verlangen
\nTreibt mich in die W\u00fcstenei’n ?<\/p>\n

Weiser stehen auf den Stra\u00dfen,
\nWeisen auf die St\u00e4dte zu.
\nUnd ich wandre sonder Ma\u00dfen
\nOhne Ruh’ und suche Ruh’.<\/p>\n

Einen Weiser seh’ ich stehen
\nUnverr\u00fcckt vor meinem Blick;
\nEine Stra\u00dfe mu\u00df ich gehen,
\nDie noch keiner ging zur\u00fcck.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

21 – Das Wirtshaus<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Auf einen Totenacker
\nHat mich mein Weg gebracht;
\nAllhier will ich einkehren,
\nHab ich bei mir gedacht.<\/p>\n

Ihr gr\u00fcnen Totenkr\u00e4nze
\nK\u00f6nnt wohl die Zeichen sein,
\nDie m\u00fcde Wand’rer laden
\nIns k\u00fchle Wirtshaus ein.<\/p>\n

Sind denn in diesem Hause
\nDie Kammern all’ besetzt ?
\nBin matt zum Niedersinken,
\nBin t\u00f6dlich schwer verletzt.<\/p>\n

O unbarmherz’ge Schenke,
\nDoch weisest du mich ab ?
\nNun weiter denn, nur weiter,
\nMein treuer Wanderstab !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

22 – Mut<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
\nSch\u00fcttl’ ich ihn herunter.
\nWenn mein Herz im Busen spricht,
\nSing’ ich hell und munter.<\/p>\n

H\u00f6re nicht, was es mir sagt,
\nHabe keine Ohren;
\nF\u00fchle nicht, was es mir klagt,
\nKlagen ist f\u00fcr Toren.<\/p>\n

Lustig in die Welt hinein
\nGegen Wind und Wetter !
\nWill kein Gott auf Erden sein,
\nSind wir selber G\u00f6tter !<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

23 – Die Nebensonnen<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh’n,
\nHab’ lang und fest sie angeseh’n;
\nUnd sie auch standen da so stier,
\nAls wollten sie nicht weg von mir.<\/p>\n

Ach, meine Sonnen seid ihr nicht !
\nSchaut ander’n doch ins Angesicht !
\nJa, neulich hatt’ ich auch wohl drei;
\nNun sind hinab die besten zwei.<\/p>\n

Ging nur die dritt’ erst hinterdrein !
\nIm Dunkel wird mir wohler sein.<\/p>\n

\u00a0<\/strong><\/p>\n

24 – Der Leiermann<\/strong><\/p>\n

 <\/p>\n

Dr\u00fcben hinterm Dorfe
\nSteht ein Leiermann
\nUnd mit starren Fingern
\nDreht er was er kann.<\/p>\n

Barfu\u00df auf dem Eise
\nWankt er hin und her
\nUnd sein kleiner Teller
\nBleibt ihm immer leer.<\/p>\n

Keiner mag ihn h\u00f6ren,
\nKeiner sieht ihn an,
\nUnd die Hunde knurren
\nUm den alten Mann.<\/p>\n

Und er l\u00e4\u00dft es gehen,
\nAlles wie es will,
\nDreht, und seine Leier
\nSteht ihm nimmer still.<\/p>\n

Wunderlicher Alter !
\nSoll ich mit dir geh’n ?
\nWillst zu meinen Liedern
\nDeine Leier dreh’n ?<\/p>\n

 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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